Die Schreinerei ist das Gewerk mit dem doppelten Arbeitsplatz: Was verkauft wird, entsteht zuerst in der Werkstatt und dann beim Kunden. Genau an dieser Naht zwischen Fertigung und Montage verschwinden die Stunden, und mit ihnen die Marge der Einzelanfertigung.
Einzelanfertigung kalkulieren: die ehrliche Nachkalkulation
Der Einbauschrank ist verkauft für CHF 8’500. Aber was hat er gekostet? Ohne saubere Zahlen weiss das niemand: Plattenmaterial, Beschläge, CNC-Zeit, Bankraumstunden, zweimal Montage, eine Nachlieferung wegen des verzogenen Fronten. Wer pro Auftrag Werkstatt- und Montagestunden getrennt erfasst und das Material zuordnet, sieht nach zehn Aufträgen ein Muster: Welche Auftragsart trägt, welche subventioniert die Kundschaft. Diese Nachkalkulation ist der Rohstoff für bessere Offerten und einen Stundensatz, der Werkstattmiete und Maschinen wirklich deckt.
Der Auftragsweg ohne Zettel
- Aufmass beim Kunden: Masse, Fotos, Skizzen direkt ins Projekt statt ins Notizbuch.
- Offerte: aus Beschrieb und Ihren Positionen, mit klarer Abgrenzung (wer spachtelt, wer malt, wer entsorgt). Bei Anfertigungen mit hohem Materialanteil gehört eine Akontozahlung bei Bestellung in die Offerte, denn die Plattenrechnung kommt lange vor der Montage.
- Werkstatt: Stunden auf den Auftrag statt auf “Werkstatt allgemein”. Das ist die einzige Stelle, an der die Nachkalkulation entsteht.
- Montage: Einchecken beim Kunden, Regie (der zusätzliche Sockel, die Anpassung an die schiefe Wand) sofort erfassen, Abnahme mit Foto und Unterschrift festhalten, wichtig für spätere Garantiefragen bei Holz, das arbeitet.
- Rechnung: aus Offerte plus Regie, mit QR-Zahlteil, Akonto transparent abgezogen.
In MeisterOffice ist dieser Weg ein einziger Datenfluss; die Schreiner-Seite zeigt ihn im Detail.
Was die Werkstatt besonders macht
- Maschinenstunden sind teurer als Handstunden. Wer CNC und Kantenleimer im Stundensatz nicht abbildet, verschenkt bei jedem Auftrag Geld. Rechnen Sie zwei Sätze (Bank/Maschine) oder einen ehrlichen Mischsatz.
- Restmaterial ist Kapital. Die halbe Platte vom letzten Auftrag gehört als Materialposition in den nächsten, nicht ins Vergessen.
- Lernende produzieren mit. Ihre Stunden gehören erfasst und angemessen kalkuliert, dazu mehr im Ratgeber Lehrlinge im Handwerksbetrieb.
Rechnet sich das?
Eine Schreinerei mit vier Leuten, die pro Woche zusammen nur zwei unerfasste Regiestunden zurückholt und eine Offerte mehr am Tag der Besichtigung verschickt, finanziert die Software um ein Mehrfaches (Preise). Der grössere Gewinn ist strategisch: Nach einem halben Jahr Nachkalkulation wissen Sie, welche Aufträge Sie annehmen, und welche Sie der Konkurrenz gönnen.