Die Zimmerei ist das Projektgewerk des Handwerks: Ein Dachstuhl, ein Anbau oder eine Aufstockung läuft über Monate, bindet sechsstellige Summen und wandert von der Planung über den Abbund in der Halle bis zur Montage mit dem Kran. Bei diesen Grössenordnungen wird aus “Papierkram” ein finanzielles Risiko, und aus sauberer Projektführung ein Wettbewerbsvorteil.
Grosse Offerten brauchen Etappen, nicht Bauchgefühl
Eine Aufstockung offerieren heisst: Holzliste, Abbund, Transport, Kran, Montage, Spenglerarbeiten, allenfalls Subunternehmer. Die Offerte gliedert das in Etappen, und an den Etappen hängt der Zahlungsplan: Akontozahlungen bei Auftrag, bei Materialbestellung, nach Aufrichte, Rest nach Abnahme. Das ist im Holzbau Standard und schützt beide Seiten; das Holz ist bezahlt, lange bevor der First steht.
Für die Preisbasis gilt: Hallenstunden und Montagestunden getrennt kalkulieren. Halle heisst Maschinen, Kranbahn, Miete; Montage heisst Wetter, Anfahrt, Höhenarbeit. Ein Mischsatz aus dem Stundensatz-Rechner ist der Start, die Nachkalkulation echter Projekte schärft ihn.
Abbund in der Halle, Stunden am Projekt
Wie in der Schreinerei gilt: Werkstattstunden gehören auf den Auftrag, nicht auf “Halle allgemein”. Erst dann zeigt die Nachkalkulation, ob der Abbund in vier Tagen tatsächlich vier Tage war, und ob die nächste ähnliche Offerte stimmt. Auf der Baustelle erfasst das Team per Ein- und Auschecken (Pflicht sowieso), Regie und Zusatzwünsche der Bauherrschaft wandern sofort ins Projekt statt auf den Balkenrest.
Dokumentation: beim Holzbau doppelt wichtig
Aufrichte-Fotos, Feuchtigkeitswerte, Abnahmeprotokoll mit der Bauleitung: Der Holzbau lebt mit dem Werkstoff, der arbeitet. Kommt zwei Jahre später eine Rüge wegen Rissen oder Setzungen, entscheidet die Doku über die Garantiefrage. Und bei den Summen im Holzbau gehört die Frist des Bauhandwerkerpfandrechts nach Ende jeder Baustelle in den Kalender, gerade wenn ein GU dazwischen steht.
Rechnet sich das?
Bei einer Zimmerei rechnet sich die Umstellung anders als beim Servicegewerk: weniger über viele kleine Rechnungen, mehr über Liquidität und Risiko. Pünktliche Akontorechnungen statt nachgelagerter Grossrechnung sparen Kontokorrentzinsen; eine einzige durchgesetzte Nachtragsposition oder eine rechtzeitig gesicherte Forderung zahlt die Software auf Jahre. Wie MeisterOffice für Holzbaubetriebe aussieht, zeigt die Zimmerei-Seite.